NafokuNaturtagebuchNovember 2009Die Osthänge des Tunibergs im November

Die Osthänge des Tunibergs im November

Naturtagebuch bei Nafoku am 14.11.2009


(Blick vom Tuniberg in Richtung Naturschutzgebiet Humbrühl-Rohrmatten)

Herbstliche Landschaft am Tuniberg

Nachdem wir heute die "Dachswanger Mühle" besucht hatten, machten wir einen Spaziergang auf den Tuniberg. Der Blick von oben auf die herbstlich bunte Landschaft des Naturschutzgebietes "Humbrühl-Rohrmatten" und seine Umgebung zeigt die Vielfalt des Mosaiks dieser alten Kulturlandschaft.

Mein täglicher Weg zur Arbeit mit dem Fahrrad vom Kaiserstuhl nach Freiburg führt mich jeden Morgen unter anderem durch die ökologisch bewirtschafteten Äcker und die alte Weidelandschaft um die Dachswanger Mühle. So erlebe ich im Jahresverlauf die Natur mit all ihren unterschiedlichen Wettersituationen und jahreszeitlich unterschiedlichen Stimmungen, bei Hitze und Kälte, Sonne, Wind und Regen, in der Morgendämmerung und in den Abendstunden.

Die lange Fahrzeit mit dem Rad bedeutet für mich deshalb keinen Zeitverlust, im Gegenteil, ich habe dadurch vielerlei Nützliches:

Zeit zum Nachdenken und den Kopf frei machen, Fühlen der Naturelemente und meiner selbst, manchmal das Erleben meiner körperlichen Grenzen, Glücksgefühle, tiefes Durchatmen, frische Luft, Bewegung, und immer wieder auch Begegnungen mit allen möglichen freilebenden Tieren, großen und kleinen Lebewesen.
Meine 23 km lange morgendliche Radstrecke dient mir als Kraftquelle und Tankstelle.

Morgens, wenn es gerade hell wird und die Morgennebel noch am Boden liegen, sitzt im Mühlbach ein verschlafener Graureiher (Ardea cinerea), der sich regelmäßig in die Luft erhebt, wenn er mich nicht rechtzeitig bemerkt hat und deshalb erschrocken ist. Er überquert dann kurz vor mir den Radweg, lässt beim Weiterfliegen seinen Ruf ertönen, unternimmt eine kurze Segelrunde auf die Felder, um dann wieder ein Stück weiter oben an seinen Bach zurückzukehren.

Die wenigsten Leute wissen übrigens, woher der Mühlbach kommt und wohin er fließt. Ganz spannend und unterhaltsam wird darüber auf der Seite "Freiburg für Senioren" erzählt.

Im Frühling begleitet mich auf meinem Weg am Mühlbach das Flöten und Gurren der Nachtigall, und im Winter ist dort an verschiedenen Stellen das geschwätzig-melodische Stimmchen des Rotkehlchens zu hören.

Und heute?

Heute haben wir etwas sehr Schönes an einer Lößböschung vom Tuniberg gefunden.

Du wirst dich vielleicht fragen, was man denn an einem Novembertag, fast im Winter, an einer Lößböschung Besonderes finden kann?

Für den eiligen Wanderer gibt es dort sicherlich nicht viel Interessantes, und selbst der neugierig um sich blickende Insektenfreund findet vielleicht erst einmal gar nichts. Für mich selbst sah die Böschung bei oberflächlicher Betrachtung so aus:


Mein Begleiter hatte allerdings mit seinem geübten Blick auf Blättern von Coronilla varia etwas entdeckt:


Siehst du auch schon etwas?

Hier kommt nun eine Nahaufnahme der kleinen Blättchen:


Auf den Blättern befinden sich winzige Türmchen, die an irgendwelche Gallen erinnern. Es sind jedoch keine Gallen, sondern Schmetterlingseier! Es ist ein Eigelege, wahrscheinlich von dem Wanderfalter Colias crocea, der dieses Jahr sehr zahlreich überall anzutreffen war. Am Kaiserstuhl hatten wir allerdings bisher kein einziges Ei gefunden. Und hier nun befanden sich gleich mehrere Eier auf einer einzigen Pflanze.

Wer einmal solche kleinen Dinger gesehen hat und versteht, dass in diesen weißen Pünktchen die nächste Schmetterlingsgeneration für das kommende Jahr schlummert, kennt eines der schönsten Geheimnisse des Lebens!

Du kannst dann nicht mehr einfach im Herbst mit einem Rasenmäher überall drüber gehen, und du siehst die Weinbergsböschungen, die Wiesen und das Grünland der Flussufer von Dreisam und Elz, die Ackerbrachen und verwilderten Gärten, und selbst die Steinritzenflora in der Stadt oder in deinem eigenen Hinterhof mit anderen Augen an...

Schlafplatz oder Winterquartier?

Zum Abschluss noch ein kleiner Böschungsbewohner, der sich in einem welken Blatt entweder nur verkrochen hatte, um nicht gesehen zu werden, oder sogar, um ein bisschen Winterschlaf zu halten: